Profil der Anna-Freud-Freud-Schule
Unterrichten bedeutet nicht nur, den Lernenden Fakten zu präsentieren, es bedeutet auch, sie dazu zu bringen, sich für die Welt zu interessieren und viel darüber erfahren zu wollen. Das ist ein geistiger Zustand. Wenn man Kinder herausführen soll, muß man sie dazu bewegen, mit einem zu gehen. Die besten Lehrer aber bringen ihre Kinder dazu, die Initiative zu ergreifen, um sich selbst herauszuführen. Natürlich verfügt ein Lehrer über einen Fundus von Fakten, den er seinen Schülern mitteilen sollte. Doch es geht darum, wie er das macht. Die Schüler können ihm beibringen, wie er sie erreichen kann, wie ihre freudige Zustimmung zu erlangen ist.
Seit 1985 trägt die Schule auf Wunsch des Kollegiums den Namen der Psychoanalytikerin Anna Freud (1895-1982), Mitbegründerin der Kinderanalyse in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts und Wegbereiterin einer psychoanalytisch inspirierten Pädagogik.
Die Anna – Freud – Schule ist eine allgemein- und berufsbildende Schule mit psychologisch-pädagogischem Schwerpunkt, an der man folgende Abschlüsse erwerben kann:
- die staatliche Anerkennung als Erzieherin oder Erzieher an der Fachschule für Sozialpädagogik
- die allgemeine Fachhochschulreife an der Fachoberschule für Sozialwesen
- die allgemeine Hochschulreife in der gymnasialen Oberstufe.
Alle Bildungsgänge der AFO sind charakterisiert durch die Lehre vom Menschen, die bei uns in den Fächern
besondere Berücksichtigung findet.
Für die einzelnen Abteilungen bedeutet das:
- in der Fachschule für Sozialpädagogik sind Psychologie und Pädagogik zentrale Inhalte zur Vorbereitung auf den Erzieherberuf;
- in der Fachoberschule für Sozialwesen sind Psychologie und Pädagogik prüfungsrelevante Fächer, die in einem begleitenden Praktikum im Berufsfeld vertieft werden;
- in der gymnasialen Oberstufe gehören Psychologie, Philosophie und Sozialwissenschaften (als Profil- und Leistungskurse, z.T. auch als Grundkurse) zum Angebot.
Richtlinien für Erziehung und Unterricht
Grundlegend für alle pädagogischen Aktivitäten sind das Streben nach demokratischen Handeln und nach friedlicher Konfliktlösung sowie der Respekt aller am schulischen Leben Beteiligten voreinander.
1. Positives Lernklima
Ein positives Lernklima drückt sich für uns darin aus, dass Lernende und Lehrende sich mit den sozialen und kulturellen Anforderungen ihrer Um- und Mitwelt aktiv und kritisch auseinander setzen und sich dabei mit eigenen Anliegen, Wünschen und Erwartungen einbringen können.
Wir richten unsere Aufmerksamkeit deshalb besonders auf verschiedene Bedingungen in der Lernumwelt, die ein ganzheitliches Lernen und das Wohlbefinden aller am Schulleben Beteiligten begünstigen können.
Dazu gehören vor allem die Kommunikation im Unterricht und die Unterrichtsplanung, die Ausstattung und Gestaltung der Unterrichtsräume und Freiflächen, eine Ausweitung der Beratungsangebote in der Schule, die Entwicklung konstruktiver Konfliktstrategien und die Förderung des Schulklimas insgesamt.
2. Persönlichkeitsbildung und berufliche Vorbereitung
Unsere Schule bietet eine berufliche Orientierung in der Berufsfachschule und eine berufliche Qualifizierung in der Fachschule. Fachoberschule und Gymnasium bereiten auf ein Studium vor.
Gesellschaftliches Handeln braucht die Kenntnis seiner geschichtlichen Voraussetzungen und die Einschätzung seiner aktuellen Möglichkeiten. Deshalb wird der Geschichtlichkeit und der gesellschaftlichen Bestimmtheit von Lebens- und Denkformen besondere Aufmerksamkeit zuteil. Dieser Aspekt kommt insbesondere in unseren speziellen Fächern Psychologie, Pädagogik, Sozialwissenschaften und Philosophie zum Tragen.
Im Unterricht wird anspruchsvoll und leistungsbezogen gearbeitet, indem Schülerinnen und Schüler methodisch angeleitet Sachverhalte analysieren und erfassen, zu selbständigen Urteilen gelangen und ihre Ergebnisse überzeugend präsentieren.
Das Einüben von Kooperation und Verständigungsbereitschaft in immer neuen Konstellationen fördert den freundlichen und selbstverständlichen Umgang zwischen Schülerinnen und Schülern verschiedener kultureller Herkunft, wie wir ihn für unsere Schule anstreben.
Das Experimentieren mit kreativen Arbeitsformen, die neue Möglichkeiten der Selbsttätigkeit für die Lernenden eröffnen, soll durch fächerübergreifendes und projektorientiertes Lernen ergänzt und verstärkt werden.
EDV und Internet ersetzen das Lernen nicht, aber kritisch eingesetzt bereichern sie den Unterricht. Deshalb wollen wir auch zur selbständigen Nutzung informations-verarbeitender Techniken befähigen. Dazu stehen nach dem neuesten Standard ausgerüstete Computerarbeitsplätze zur Verfügung.
Praxisorientiertes Lernen in den von Praktika begleiteten Bildungsgängen bereitet unsere Schülerinnen und Schüler auf die theoretischen und praktischen Aufgaben des Berufsalltags vor. Die Praktika konfrontieren sie mit diesen Aufgaben und lassen Motivation und persönliche Eignung für diesen Beruf genauer erkennen.
3. Beteiligung
Man kann einen Menschen nicht gegen seinen Willen erziehen und belehren, so wenig wie man ihn gegen seinen Willen gesund machen kann. Er muß in beiden Fällen mitmachen, aus Freude oder aus Einsicht, am besten aus beidem. Das ist in der Erziehung möglich, wenn er wahrnimmt, daß er geliebt wird, und wenn er teilhat am Verfahren – wenn er nicht Objekt, sondern Subjekt des Vorgangs ist.
(H. v. Hentig, Die Schule neu denken. 1993)
Wir wollen es uns zur Aufgabe machen, dass Schülerinnen und Schüler den Unterricht mitgestalten und Verantwortung für ihren Lernprozess übernehmen können. Um die nötige Zeit für Schüleraktivitäten frei zu halten, wollen wir dafür sorgen, dass Themen exemplarisch aufgearbeitet werden.
Die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an allen das Schulleben gestaltenden Gremien wird unterstützt. Ziel ist es, die interessierte Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen und eine von allen getragene Lernkultur zu entwickeln.
Jede gemeinsame Unternehmung stärkt die schulische Identität und macht das Profil der Lehre vom Menschen für die daran Beteiligten auch als Praxis erfahrbar. Gemeinsame Erfolge führen zu Kompetenzgewinn und stärken die Teamfähigkeit. Teamarbeit ergänzt das individuelle Lernen durch das Voneinander- und Miteinanderlernen.
4. Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen
Wir stellen unser Haus für Tagungen und Seminare zur Verfügung und im Gegenzug können wir an diesen Veranstaltungen teilnehmen. Es besteht eine Kooperation zwischen dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V. (bdp) und unserer Schule. In diesem Rahmen halten wir einmal im Jahr einen Tag der Psychologie an unserer Schule ab. Dies gibt unseren Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, sich einen Einblick in die Vielfalt psychologischer Tätigkeitsfelder zu verschaffen.
Die Jugendbildungsstätte „Wannsee Forum“ führt seit einigen Jahren einwöchige Kreativworkshops – Theaterspielen, Tanz, Maskenbau, Filmen, Computeranimation, Musikinstrumentenbau und mehr – mit den Berufspraktikanten und -praktikantinnen der Erzieherfachschule durch. Dieses Engagement wurde inzwischen auf das zweite Fachschuljahr ausgeweitet.
Mit dem Haus Kreisau, dem Zentrum der evangelischen Berufsschularbeit, besteht eine Vereinbarung, dass Gruppen unserer Schule dort Seminare, insbesondere zum Widerstand, aber auch zu anderen politischen oder das Leben betreffenden Fragen durchführen.
Über die berufsorientierenden Praktika in der Berufsfachschule und der Fachoberschule und die berufsbildenden Praktika in der Fachschule ist ein fortlaufender Kontakt mit den verschiedenen sozialpädagogischen und sozialpflegerischen Einrichtungen gewährleistet.
Diese von uns gesuchte Kommunikation über Entwicklungen in der Praxis dient uns als Orientierung für einen der Praxis angemessenen Unterricht.


