Psychologie als Unterrichtsfach

Was ist Psychologie?

Fragt man Menschen, die sich bisher nicht genauer mit der Psychologie beschäftigt haben, wo­rum es in diesem Fach geht, so erhält man die unterschiedlichsten Antworten. Aus ihnen spricht zum Teil Faszination und Neugier, zum Teil aber auch eine gewisse Skepsis:

  • "Psychologen? Das sind doch die, die verborgene Gedanken und Wünsche anderer Men­schen analysieren."
  • "In der Psychologie geht es vor allem darum, Menschen mit psychischen Problemen zu hel­fen."
  • "In psychologischen Experimenten werden Menschen hinter’s Licht geführt, um ihre Ge­danken und Beweggründe zu erforschen."
  • "Psychologen können andere Menschen durchschauen und manipulieren."

Was ist von diesen Antworten zu halten? Womit beschäftigt sich die wissenschaftliche Psycholo­gie und was erwartet Schülerinnen und Schüler im Unterrichtsfach Psychologie?

Wörtlich übersetzt bedeutet der aus dem Griechischen stammende Begriff Psychologie „Lehre von der Seele“. Trotzdem wird im Psychologieunterricht wenig über die Seele gesprochen. Der Begriff Seele ist besser beheimatet in den Religionen, die sich lange vor der Psychologie damit beschäftigt haben. Wir gehen im Unterricht von einer Definition der Psychologie aus, die heute in vielen Lehrbüchern vertreten wird:

Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten.

Womit beschäftigt sich die Psychologie?

Die Psychologie interessiert sich dafür, was Menschen erleben (das heißt, was sie fühlen, was sie denken und was sie wollen) und wie sie sich verhalten. Dabei geht man davon aus, dass sich Menschen in ihrem Erleben und in ihren Verhaltensweisen voneinander unterscheiden. Die Psy­chologie fragt danach, wie solche Unterschiede zustande kommen, wie und warum sich das Fühlen, Denken, Wollen und Verhalten mit dem Alter verändern und wie das Erleben und das Verhalten von anderen Menschen beeinflusst werden können.

Antworten auf diese Fragen gibt die psychologische Forschung in ihren Teilbereichen Allgemeine Psychologie, Persönlichkeitspsychologie, Entwicklungspsychologie und Sozialpsychologie. Deren Forschungsergebnisse werden in unterschiedlichen Bereichen praktisch angewendet. So leiden beispielsweise Menschen manchmal unter ihren Gefühlen, Gedanken und Wünschen. Mit diesen Problemen beschäftigt sich die Klinische Psychologie. Die Pädagogische Psychologie macht psy­chologische Kenntnisse nutzbar, um Vorschläge für effektive Lehr- und Lernprozesse – bei­spielsweise in der Schule – zu machen. Auch für die Gestaltung von Arbeitsabläufen und die Verbesserung der Zusammenarbeit in Betrieben werden psychologische Kenntnisse genutzt; hier ist die Arbeits- und Organisationspsychologie gefragt. Psychologische Kenntnisse sind also über­all dort von Bedeutung, wo Menschen sich miteinander verständigen, wo sie gemeinsam mit anderen oder für andere Entscheidungen treffen und handeln, also in fast allen Bereichen des privaten und beruflichen Alltags.

Da sich Psychologen innerhalb ihres Faches für höchst unterschiedliche Fragestellungen interes­sieren, haben sich in der Psychologie viele verschiedene Ansichten darüber entwickelt, wie man das Verhalten und Erleben von Menschen beschreiben und erklären kann. Es gibt deshalb in unserem Fach mehrere, sich mehr oder weniger unterscheidende Hauptströmungen. Zumindest dem Begriff nach bekannt ist vielen die Psychoanalyse, die eng mit dem Namen Sigmund Freud und dem seiner Tochter Anna Freud, der Namensgeberin unserer Schule, verbunden ist. Eine zentralere Rolle in der wissen­schaftlichen Psychologie spielen heute aber Erkenntnisse anderer psychologischer Strömungen. Im Unterricht werden deshalb beispielsweise auch die behavioristische, die kognitivistische und die neuropsychologische Perspektive vermittelt.

Für diejenigen, die sich genauer über Themen und Arbeitsweise der Psychologie informieren möchten, lohnt ein Blick in eines der folgenden Bücher:

  • Berryman, J. C., Ockleford, E. M., Howells, K., Hargreaves, D. J., Wildbur, D. J. (2009). Psycholo­gie. Einblick in ein faszinierendes Fachgebiet (2. vollst. überarb. Aufl.). Bern: Huber.
  • Gerrig, J. R. & Zimbardo, P. G. (2008). Psychologie (18., akt. Aufl.). München: Pearson Studium.
  • Hobmair, H. (Hrsg.) (2008). Psychologie (4., vollst. überarb. Aufl.). Troisdorf: Bildungsverlag EINS.
  • Mietzel, G. (2008). Wege in die Psychologie (14. Aufl.). Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Myers, D. G. (2008). Psychologie (2., erw. u. akt. Aufl.). Heidelberg: Springer.
  • Nolting, H.-P. & Paulus, P. (1999). Psychologie lernen. Eine Einführung und Anleitung. Wein­heim: Beltz Taschenbuch.

Einen Überblick über Anwendungsgebiete der Psychologie und Tätigkeitsfelder von Psychologin­nen und Psychologen gibt beispielsweise das folgende Buch:

Sternberg, K. & Amelang, M. (2007). Psychologen im Beruf. Stuttgart: Kohlhammer.

Psychologie im Unterricht

Der Inhalte und Methoden der Psychologie, die im Unterricht vermittelt werden, orientieren sich an der wissenschaftlichen Psychologie, wie sie an den Universitäten gelehrt wird. Schülerinnen und Schüler, die sich für das Unterrichtsfach Psychologie entscheiden, eignen sich Kenntnisse über die verschiedenen Teildisziplinen und Sichtweisen der Psychologie an und lernen Anwen­dungsgebiete der Psychologie kennen. Sie erfahren, anhand welcher Methoden die Psychologie zu ihren Erkenntnissen kommt und setzen sich mit diesen Methoden kritisch auseinander. Sie hinterfragen ihr psychologisches Alltagswissen, wenden im Unterricht gewonnene Kenntnisse auf neue Themen und Fragestellungen an und erwerben die Fähigkeit, Sachverhalte auf der Grundlage ihres psychologischen Wissens selbstständig und differenziert zu beurteilen. Der Psy­chologieunterricht leistet auf diese Weise einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und be­reitet gleichzeitig auf die Anforderungen eines wissenschaftlichen Studiums vor.

Weitere Informationen über Ziele, Aufgaben, Inhalte und Methoden des Psychologieunterrichts bietet der Verband der Psychologielehrerinnen und -lehrer e.V. unter www.psychologielehrer.de