Psychologie in den unterschiedlichen Bildungsgängen der Anna-Freud-Schule

Psychologie im beruflichen Gymnasium

Grundlage für den Psychologieunterricht im beruflichen Gymnasium im Land Berlin ist der seit 2006/2007 geltende Rah­menlehrplan Psychologie für die gymnasiale Oberstufe.

In der 11. Klasse des beruflichen Gymnasiums (Einführungsphase) kann Psychologie als Profilfach mit einem Umfang von 5 Wochenstunden gewählt werden. Schülerinnen und Schüler, die sich für das Profilfach Pädagogik ent­scheiden, werden im Umfang von 3 Wochenstunden zusätzlich im Fach Psychologie unterrichtet.

Gegen Ende der Einführungsphase treffen die Schülerinnen und Schüler ihre Entscheidung für die Kurse der Qualifikationsphase (Klasse 12/13). Psychologie kann dann von Schülerinnen und Schülern, die während der Einführungsphase im Umfang von 3 oder 5 Stunden bereits im Fach Psychologie unterrichtet wurden, als Leistungskurs (5 Wochenstunden) oder Grundkurs (3 Wo­chenstunden) belegt werden. Psychologie kann außerdem – abhängig von der Zusammenset­zung der übrigen von den Schülerinnen und Schülern belegten Kurse – als mündliches Prüfungs­fach im Abitur oder als Referenz- bzw. Bezugsfach in der 5. Prüfungskomponente im Abitur gewählt werden.

In Klasse 11 lernen die Schülerinnen und Schüler, wissenschaftliche Fragestellungen und Ar­beitsweisen von alltagspsychologischen Herangehensweisen an psychische Phänomenen zu un­terscheiden. Sie erwerben grundlegende Kenntnisse der psychologischen Sichtweisen und Me­thoden. Darauf aufbauend orientieren sich die Inhalte der vier Qualifikationssemester (Klasse 12/13) an unterschiedlichen Teildisziplinen der Psychologie:

  • Im ersten Semester (12.1) werden Kenntnisse der Allgemeinen Psychologie vermittelt. In­haltliche Schwerpunkte sind das Verhältnis zwischen Körper und Psyche sowie die The­men Emotion und Kognition.
  • Gegenstand des zweiten Semesters (12.2) sind Themen der Sozialpsychologie, so zum Bei­spiel die soziale Gruppe, die Entstehung und Funktion von Einstellungen und Vorur­teilen sowie soziale Phänomene wie Macht und Gehorsam. In das zweite Semester fällt auch der „Tag der Psychologie“, der regelmäßig einmal jährlich von den Leistungskurs­schülerinnen und –schülern des Fachs Psychologie gestaltet wird.
  • Im dritten Semester (13.1) steht die Entwicklungspsychologie im Zentrum des Unterrichts. Ne­ben allgemeinen Merkmalen der Entwicklung werden Besonderheiten verschiedener Le­bensphasen (z. B. des Säuglings- oder des Jugendalters) vertieft.
  • Das vierte Semester (13.2) widmet sich schwerpunktmäßig Fragen der Klinischen Psychologie. Die Entstehung, Symptomatik und Behandlung psychischer Störungen werden themati­siert.

Psychologie im doppelqualifizierenden Bildungsgang

Grundlage für den Psychologieunterricht doppelqualifizierenden Bildungsgang ist der seit 2006/2007 geltende Rahmenlehrplan Psychologie für die gymnasiale Oberstufe.

In den Klassen 11 bis 13 des doppelqualifizierenden Bildungsgangs wird Psychologie im Klassen­verband im Umfang von 3 Wochenstunden unterrichtet. Das Fach Psychologie kann als mündli­ches Prüfungsfach im Abitur oder als Referenz- bzw. Bezugsfach in der 5. Prüfungskomponente im Abitur gewählt werden.

Inhaltlich entspricht der Unterricht weitgehend dem Unterricht im beruflichen Gymnasium. Dabei werden Bezüge der behandelten Themen zu den be­ruflichen Anforderungen von Erzieherinnen und Erziehern herausgearbeitet. Die in den Praktika gewonnenen Praxiserfahrungen werden aus psychologischer Perspektive reflektiert.

Psychologie in der Fachschule

Psychologie wird an der Fachschule für Sozialpädagogik nicht als separates Fach, son­dern ge­meinsam mit anderen Fächern in Lernbereichen unterrichtet. Psychologische Inhalte fin­den sich in den Lernbereichen „Kom­munikation und Gesellschaft“ sowie „Sozialpädagogische Theorie und Praxis“.

Psychologie in der Fachoberschule/Berufsoberschule

Die moderne Psychologie wird als eine empirische Wissenschaft vom Verhalten und Erleben des Menschen verstanden. Damit ist der Gegenstandsbereich des Unterrichtsfaches in besonders enger Weise mit den alltäglichen Lebenserfahrungen der Schülerinnen und Schüler der Berufs­oberschule (BOS) und Fachoberschule (FOS) verbunden, zugleich aber auch mit ihren Berufser­fahrungen (BOS) bzw. ihren Erfahrungen aus Praktika (FOS), die überwiegend aus Berufsfeldern stammen, in deren Mittelpunkt der professionelle Umgang mit Menschen steht.

Im Unterrichtsfach Psychologie gilt es, diese Verflechtung von alltagspsychologischen Vorkennt­nissen, beruflichen Erfahrungen und fachwissenschaftlichen Ansprüchen der Psychologie zum Ausgangspunkt zu nehmen und schrittweise in Richtung auf ein reflektiertes Verständnis aus­zurichten. Zu diesem Verständnis gehört es auch im Unterricht ein wertschätzendes Menschen­bild zu festigen.

Im Sinne der Fachlichkeit und Studierfähigkeit ist es die Aufgabe des Psychologieunterrichts, die Schülerinnen und Schüler wissenschaftspropädeutisch mit einigen grundlegenden Themen, The­orien und Forschungsmethoden der wissenschaftlichen Psychologie bekannt zu machen und auf dieser Grundlage zur kritischen Fremd- und Selbstreflexion zu führen. Auf dieser Basis sollen die Schülerinnen und Schüler zum wissenschaftlichen – besonders analytischen – Denken und Arbei­ten angeleitet werden und fundierten Einblick darin erhalten, was Psychologie zu leisten vermag. 

(gekürzte und leicht modifizierte Version der Leitidee des Rahmenplanentwurfs BOS/FOS im Fach Psycho­logie 2010)

Bei Abschluss der 13. Klasse FOS/BOS haben die Schülerinnen und Schüler im Unterrichtsfach Psychologie die folgenden Kompetenzen erworben:

Fachkompetenz

  • Grundlegendes Fachwissen über den Unterschied zwischen Erleben und Verhalten und deren Wechselwirkung sowie die Fähigkeit dieses Fachwissen auf die Analyse von Fallbeispielen anzuwenden;
  • psychische Prozesse bzw. beobachtbares Verhalten unter Verwendung verschiedener Paradigmen vergleichend zu analysieren und zu interpretieren;
  • alltagspsychologische Erklärungen bzw. Interpretationen von denen der wissenschaftlichen Psychologie zu unterscheiden;
  • in den Medien diskutierte psychologische Sachverhalte unter Verwendung von  Fachkenntnissen kritisch zu beurteilen.

Methodenkompetenz

  • Fachwissen aus schriftlichen Quellen strukturiert und dauerhaft zu entnehmen;
  • in Gruppen arbeitsteilig ein Thema zu erarbeiten;
  • Arbeitsergebnisse effektiv und adressatenbezogen zu präsentieren;
  • in Tabellen und Abbildungen zusammengefasstes Material verständnisvoll zu verwenden;
  • psychologische Phänomene aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten;
  • hypothetische Konstrukte (z.B. Angst) durch operationale Definitionen kommunizierbar zu machen.

Sozialkompetenz

  • Die Perspektivität des eigenen Denkens und Handelns zu erkennen und sich entsprechend in Andere hineinversetzen zu können;
  • Andere in ihren Stärken und Schwächen anzuerkennen;
  • Teamfähigkeit und die dafür nötige Bereitschaft zur Konfliktbewältigung zu festigen;
  • bezogen auf bestimmte Ziele und Ergebnisse zu kommunizieren und zu kooperieren.

Personalkompetenz

  • Sich der eigenen Fähigkeiten, Interessen und Werte bewusster zu werden;
  • das eigene Verhalten kritisch zu betrachten und Konsequenzen aus dieser Reflexion zu ziehen;
  • den eigenverantwortlichen Beitrag zum Erwerb von Kompetenzen zu begreifen und entsprechend aktiv zu lernen;
  • bisherige Vorstellungen über sich und die Welt zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern.

Übersicht zu Pflicht- und Wahlthemenfeldern in der Fachoberschule (FOS) und Berufsoberschule (BOS)